Studie zeigt, wie TikTok und YouTube Shorts Nutzer mit frauenfeindlichen Inhalten überschütten
Eine neue Studie des Anti-Bullying-Zentrums der Dublin City University zeigt, dass die von Social-Media-Plattformen verwendeten Empfehlungsalgorithmen frauenfeindliche und männerdominierte Inhalte nach kurzer Zeit verstärken.
Michaela Heinze
Redaktion
Wie TikTok und YouTube Shorts dich in eine Hassfalle locken
Wer neu bei TikTok oder YouTube Shorts anfängt, bekommt schon nach wenigen Minuten erste fragwürdige Videos empfohlen. Das ist kein Zufall – das ist der Algorithmus.
Forschende der Dublin City University haben das mit einem cleveren Experiment belegt: Sie richteten zehn komplett leere Smartphones ein – fünf für TikTok, fünf für YouTube Shorts. Dann ließen sie die Geräte laufen und schauten, was die Plattformen den Nutzerkonten von sich aus empfahlen.
Das Ergebnis war erschreckend eindeutig: Alle männlich angelegten Konten bekamen innerhalb der ersten 23 Minuten frauenfeindliche und extremistische Inhalte empfohlen – egal ob sie vorher nach solchen Inhalten gesucht hatten oder nicht.
Je länger man schaut, desto schlimmer wird es
Nach etwa zwei bis drei Stunden Schauen war der Großteil der empfohlenen Videos klar toxisch: Bei TikTok waren es 76 Prozent, bei YouTube Shorts sogar 78 Prozent. Hauptsächlich handelte es sich dabei um sogenannte Manosphere-Inhalte – Videos, die Frauen als minderwertig darstellen und Männlichkeit als überlegenes Prinzip verherrlichen.
Besonders auffällig: Viele Inhalte zielten bewusst auf finanzielle und emotionale Unsicherheiten junger Männer ab und vermittelten dabei die Botschaft, dass Depressionen ein Zeichen von Schwäche seien und Therapie nichts bringe.
Andrew Tate überall – trotz Sperrung
Ein Name tauchte in der Studie extrem häufig auf: Andrew Tate, bekannt als einer der lautstärksten Frauenfeinde im Netz. Obwohl seine Konten zu dem Zeitpunkt bereits gesperrt waren, erschien er in den Empfehlungen bei YouTube Shorts 582 Mal und bei TikTok 93 Mal.
Das zeigt: Accounts zu sperren reicht nicht. Die Inhalte kursieren trotzdem weiter.
Was Schulen jetzt tun müssen
Die Forschenden empfehlen unter anderem, Empfehlungsalgorithmen standardmäßig auszuschalten – und fordern mehr Medienkompetenz in Schulen. Denn wer versteht, wie Algorithmen funktionieren, lässt sich von ihnen schwerer manipulieren.
Genau das ist das Ziel von NW Klasse!: Wer weiß, wie digitale Medien ticken, klickt bewusster – und denkt kritischer.
Original Pressemeldung zur Studie der Dublin City University 17.04.2024