Blick in die Redaktion 31.08.2026 · 3 Min. Lesezeit

„Vertrauen ist unser wichtigstes Fundament“

Andrea Rolfes ist Chefredakteurin der Neuen Westfälischen und trägt die Verantwortung für alles, was Zeitung und nw.de veröffentlichen. Kein Tag gleicht dem anderen: Mal moderiert sie live einen Podcast auf der Bühne, mal sitzt sie in Themenkonferenzen oder trifft Politiker zum Mittagessen. Im Interview erzählt sie, welche Entscheidungen sie täglich trifft, warum Vertrauen für eine Zeitung das Wichtigste überhaupt ist – und was die größte Herausforderung ist, wenn man auch junge Leserinnen und Leser erreichen will.

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Michaela Heinze

Redaktion

Andrea, wie würdest du deine Rolle als Chefredakteurin kurz beschreiben?
Meine wichtigste Aufgabe ist es, jeden Tag dafür zu sorgen, dass wir die wichtigsten Nachrichten aus Ostwestfalen für Ostwestfalen auswählen – für unsere Leserinnen und Leser. Wir müssen die richtigen Themen finden und Geschichten so schreiben, dass sie die Menschen hier vor Ort wirklich erreichen und hintergründig sind. Und vor allem: Die Fakten müssen stimmen. Wenn wir etwas veröffentlichen, das nicht richtig ist, bin ich als Chefredakteurin dafür verantwortlich. Die größte Herausforderung ist, dabei jeden Tag den Überblick zu behalten und mich mit dem Team abzustimmen.

Welche Entscheidungen triffst du täglich?
Sehr, sehr viele – und das ist jeden Tag anders. In unseren Konferenzen entscheide ich, welche Themen wir auswählen, wie wir sie in die Zeitung und auf nw.de bringen und in welchen Formaten. Wir überlegen auch, auf welche wichtigen Themen und Ereignisse wir uns schon vorbereiten müssen, damit wir angemessen reagieren können, wenn zum Beispiel eine wichtige Pressekonferenz ansteht. Dazu kommen strategische Entscheidungen, etwa nach welchem Plan wir Themen auf nw.de veröffentlichen. Ich lege die großen Linien fest – aber ich kann und will nicht jede einzelne Entscheidung kontrollieren. Ich verlasse mich darauf, dass mein Team danach arbeitet.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Den gibt es ehrlich gesagt nicht. Gestern zum Beispiel hatte ich verschiedene Themenkonferenzen – und abends noch eine Live-Veranstaltung: Wir produzieren einen True-Crime-Podcast namens „Ostwestfälle“, den wir live auf der Bühne präsentiert haben. Da war meine Aufgabe, live durch den Abend zu moderieren. Heute Morgen ging es weiter mit einem Termin beim Personalchef – wir haben besprochen, wie die Redaktionen personell aufgestellt sind. Danach hatte ich ein Mittagessen mit dem ehemaligen Europaabgeordneten Brok, und jetzt stehe ich hier und beantworte deine Fragen. Jeder Tag ist komplett anders – das macht den Job aber auch aus.

Wie arbeitest du mit dem Redaktionsteam zusammen?
Hoffentlich auf Augenhöhe! Klar, als Chefredakteurin muss ich Entscheidungen treffen – manchmal auch welche, die nicht allen gefallen. Aber mir ist wichtig, mich beraten zu lassen: Es gibt viele Kolleginnen und Kollegen, die in bestimmten Bereichen viel besser informiert sind als ich. Der Newsroom-Chef weiß viel besser über aktuelle Geschehnisse Bescheid, und eine Autorin, die auf Schulthemen spezialisiert ist, kennt sich in ihrem Bereich einfach besser aus. Ich treffe zwar die Entscheidungen, aber ich spreche vorher mit vielen Mitarbeitenden – und hoffe, dass am Ende immer das Beste fürs Team dabei herauskommt.

Wie stellst du sicher, dass eure Inhalte verlässlich und ausgewogen sind?
Das ist eine schwierige Aufgabe. Wir sind ein regionaler Medienverlag, und Vertrauen ist das wichtigste Fundament, das wir bei unseren Leserinnen und Lesern aufbauen müssen. Wenn die Menschen hier in Ostwestfalen uns nicht vertrauen, haben wir als regionales Medienhaus ehrlich gesagt versagt. Dieses Vertrauen entsteht durch gute Berichterstattung, sichere Quellen und dadurch, dass wir für Vereine, Verbände und die Menschen vor Ort ansprechbar sind – aber genauso dadurch, dass wir kritisch hinschauen und eine Kontrollfunktion übernehmen. Das ist über Jahre und Jahrzehnte gewachsen, denn es gibt uns schon eine ganze Weile. Jetzt geht es darum, dieses Vertrauen zu halten: Haben wir die richtigen Quellen? Haben wir mit den richtigen Menschen gesprochen? Haben wir die richtigen Themen ausgewählt? Dafür verbürge ich mich als Chefredakteurin – und wir besprechen das regelmäßig im Team, auch in Schulungen.

Was ist aktuell die größte Herausforderung für dich als Chefredakteurin?
Es gibt viele Herausforderungen. Eine davon: Wir wollen mit unserem Journalismus auch junge Leute erreichen. Die größte Herausforderung dabei ist, jeden Tag eine Mischung aus Themen anzubieten, die auch bei jungen Leserinnen und Lesern ankommt.

Das Interview mit Andrea Rolfes führte Sevil Hangül und ist in voller Länge als Video „Ein Tag in der Redaktion“ hier verfügbar.

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